| Veranstaltung: | Kreismitgliederversammlung 12.09.2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8.3. Antrag bzgl. Lokaljournalismus |
| Antragsteller*in: | Christian Schubert |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 27.08.2026, 00:41 |
A14: Antrag: Für einen starken Lokaljournalismus im Rhein-Erft-Kreis
Antragstext
Für einen starken Lokaljournalismus im Rhein-Erft-Kreis
Die Kölner Stadt-Anzeiger Medien haben angekündigt, die Rheinische
Redaktionsgemeinschaft (RRG) zum 30. September 2026 aufzulösen und die regionale
Berichterstattung neu zu organisieren. Dabei sollen 57 Vollzeitstellen
entfallen. Betroffen ist auch die Lokalberichterstattung im Rhein-Erft-Kreis.
Für uns ist Lokaljournalismus ein wichtiger Teil demokratischer Öffentlichkeit.
Journalist:innen vor Ort berichten über Entscheidungen in Städten und Kreis,
recherchieren Hintergründe, stellen kritische Fragen und ordnen Entwicklungen
ein. Dafür braucht es journalistische Unabhängigkeit, Ortskenntnis und
ausreichend Zeit für eine sorgfältige Recherche.
Die Kreismitgliederversammlung beschließt:
Die Kreismitgliederversammlung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rhein-Erft bekennt sich
zu einem unabhängigen, vielfältigen und starken Lokaljournalismus. Eine
lebendige kommunale Demokratie braucht Medien, die kontinuierlich über Politik,
Verwaltung und gesellschaftliche Entwicklungen vor Ort berichten.
Journalist:innen, die ihre Region kennen, Entwicklungen über längere Zeit
verfolgen und vor Ort gut vernetzt sind, leisten dazu einen unverzichtbaren
Beitrag.
Wir sehen deshalb mit Sorge, welche Folgen die angekündigte Auflösung der RRG
und der damit verbundene Stellenabbau für die lokale Berichterstattung haben
können. Wir appellieren an die Verantwortlichen der Kölner Stadt-Anzeiger Medien
und von DuMont, die Entscheidung zu überdenken und Alternativen zu prüfen, die
möglichst viel journalistische Kompetenz und Präsenz in den Regionen erhalten.
Unser Blick gilt dabei auch den betroffenen Journalist:innen. Für viele von
ihnen bedeutet die Auflösung der RRG erhebliche berufliche Unsicherheit. Wir
appellieren an DuMont, bei der Neuorganisation Verantwortung für die
Beschäftigten zu übernehmen und möglichst vielen von ihnen eine verlässliche
Perspektive zu ermöglichen.
Die unternehmerische Entscheidung liegt selbstverständlich beim Unternehmen.
Ihre Auswirkungen auf die lokale Öffentlichkeit betreffen jedoch auch uns als
politische Akteur:innen im Rhein-Erft-Kreis.
Digitalisierung und neue journalistische Arbeitsweisen bieten große Chancen für
den Lokaljournalismus. Auch Automatisierung und KI können Redaktionen bei ihrer
Arbeit sinnvoll unterstützen. Sie ersetzen aber keine Journalist:innen, die vor
Ort recherchieren, nachfragen, Gespräche führen und lokale Zusammenhänge
einordnen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, auf welchen Kanälen
Lokaljournalismus stattfindet, sondern ob weiterhin genügend journalistische
Kapazitäten für eigenständige Recherche und Berichterstattung vorhanden sind.
Gleichzeitig ist klar, dass die wirtschaftlichen Probleme des Lokaljournalismus
weit über die aktuelle Entscheidung bei DuMont hinausgehen. Sinkende
Printauflagen, veränderte Mediennutzung und die Verlagerung von Werbeeinnahmen
auf große digitale Plattformen stellen lokale und regionale Medien vor
erhebliche wirtschaftliche Herausforderungen. Politik kann und soll privaten
Medienunternehmen keine redaktionellen Strukturen vorschreiben. Sie kann aber
Rahmenbedingungen schaffen, die unabhängigen Journalismus und Medienvielfalt
langfristig ermöglichen.
Wir unterstützen die Vorschläge der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN, Lokaljournalismus strukturell zu fördern und Medien bei der digitalen
Transformation und der Entwicklung tragfähiger Geschäftsmodelle zu unterstützen.
Eine solche Förderung muss staatsfern, transparent und unabhängig von
journalistischen Inhalten ausgestaltet sein. Ziel muss sein, die
wirtschaftlichen Voraussetzungen für unabhängigen und vielfältigen
Lokaljournalismus langfristig zu verbessern. (https://www.gruene-
bundestag.de/unsere-politik/fachtexte/lokale-medienvielfalt-foerdern-mit-dem-
unabhaengige-medien-fonds/)
Begründung
Die RRG produziert bislang die Regionalteile von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau in fünf Landkreisen rund um Köln. Zum 30. September 2026 soll sie aufgelöst werden. Nach Angaben der Kölner Stadt-Anzeiger Medien entfallen 57 Vollzeitstellen. Der DJV NRW spricht von 63 betroffenen Redakteur:innen.
Auch die bisherige Rhein-Erft-Redaktion ist von der Neuorganisation betroffen. Künftig sollen digitale Regio-Teams regionale Inhalte kanalübergreifend produzieren. Wiederkehrende Produktionsschritte sollen stärker automatisiert und teilweise durch KI unterstützt werden. Die gedruckten Lokalteile sollen bestehen bleiben.
Der Umbau findet vor dem Hintergrund eines grundlegenden Strukturwandels der Medienbranche statt. Die aktuelle Entwicklung zeigt damit auch, warum es politische Rahmenbedingungen braucht, die unabhängigen Lokaljournalismus und Medienvielfalt langfristig sichern. Die grüne Bundestagsfraktion hat hierzu konkrete Vorschläge vorgelegt.
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